Frank Zappa "Zappa In New York"

By Bernd Gockel

Sounds, May 1978


Frank Zappa
ZAPPA IN NEW YORK
WEA DIS 69204

56 Minuten Spielzeit für vier Plattenseiten sind eigentlich ein ganz schöner Nepp. Im Falle von ZAPPA IN NEW YORK darf man jedoch Altmeister Zappa nur dankbar sein, daß er es diesmal kurz und halbwegs schmerzlos gemacht hat. Es hagelt wieder einmal cunts, pricks und andere schleimige Objekte, gemischt mit orchestraler Kompositions-Gymnastik, die für ein normal ausgelegtes Nervensystem schlicht und einfach unverdaubar sind.

Wer aus Onkel Frank's endlosen Schleimereien nach all den Jahren noch einen Kick bekommt, ist mir ehrlich gesagt schleierhaft. Vermutlich sind es all jene, die immer neue Kerzen vor ihrem Bukowski-Altärchen aufstellen (auch schon das neueste Bukowski- Poster im Wohnzimmer aufgehängt, ja?). Zappa sabbelt Obszöni täten mit solcher Ausdauer und Verbissenheit, daß man ihm wirklich nicht mehr zugute halten kann, dies alles sei ja nur eine Parodie, (von wegen Spiegel vorhalten, Abbildung der sozialen Verhältnisse, blablabla). Möglich, daß der ganze schlüpfrige Wust, der da immer wieder aus ihm herausquillt, Kompensation ist für seine Intellektualität und extreme Kopflastigkeit.

Wie immer es in seiner Psyche auch aussehen mag: Diese Mischung, die vor zehn Jahren sicher ihren Reiz gehabt hat, klingt heute antiquierter als ein alter Rock'n'Roll-Schinken aus den fünfziger Jahren. Die einzig alczeptablen Passagen auf ZAPPA IN NEW YORK sind die Instrumental-Breaks, bei denen Zappa auch als Gitarrist die dringend notwendigen Pluspunkte verbuchen kann. (Das Album wurde bereits Ende '76 aufgenommen, u.a. mit Eddie Jobson, Terry Bozzio, den Brecker Brothers und der inzwischen ausgeschiedenen Ruth Underwood.) Am Ende der zweiten Plattenseite, nach einer zermürbenden tour de force über schrille und holprige Kakophonien, fragt Zappa scheinheilig: "Didn't anybody dance?". Hoffentlich bleibt ihm die miese Arroganz, die daraus spricht, irgend wann einmal im Halse stecken. Wenn er so weitermacht, sollte er vielleicht am Ende seiner nächsten LP gleich fragen: "Didn't anybody listen?" Und dann wäre es sogar eine berechtigte Frage.

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